Ausstellungen - 2012

 

Vroni Schwegler Tier-Kaltnadelradierung / Christof Rehm Landschaft-Lithografie

ChristofRehmoTLithograph07Christof Rehm, Ohne Titel, LithografieVroni Schwegler (geb. 1970, lebt in Frankfurt a. M.) ist eine Malerin und Zeichnerin, die intensiv mit der Kaltnadelradierung arbeitet. In München werden diese Graphiken erstmals ausgestellt. Die Künstlerin arbeitet ganz in der Tradition des Naturalismus vor dem Motiv. Hasen- und Vögelbälge oder Fische legt sie sich zurecht, zeichnet aber auch die Details von Figuren alter Malerei, bevorzugt des 15. und 16. Jahrhunderts, von den Originalen ab. Nicht Stillleben entstehen so sondern eine stillgelegte Natur, die eigenartig befremdet. In den Druckgraphiken wachsen aus dem tiefschwarzen Staccato der Kaltnadelstriche Bilder, die zwischen Gegenstand und reiner Form hin- und herkippen, in denen Schwarz und reiche Grautönen eine eigene Farbigkeit entwickeln. Ohnehin versetzt Schwegler ihre Tiervorlagen in eine Art Schwebezustand, der den Tod nicht ausblendet, aber auch nicht zum vordergründigen Thema macht. So sind der intensive Blick und das genaue Studium in diesen Graphiken der Ausgangspunkt zu Bildern, die über den traditionellen Naturalismus weit hinausgehen.

Christof Rehm, Photograph und Lithograph, geht mit dem Photoapparat hinaus in die Natur. Dort hält er weite, leere Landschaften fest, die man eher in fernen Ländern vermutet, als im schwäbischen Wohnumfeld des Künstlers. In den Lithographien wird aus diesen Erlebnissen reine Malerei, die durch den sparsamen Einsatz von Farbe poetische Stimmungen erreichen kann. In ruppig hingewischten Spuren, mit Lappen, Händen und anderen unkonventionellen Werkzeugen bearbeitet er den Lithostein, schabt und kratz in die Farbflecken, die immer wieder an Landschaften erinnern und doch nur Malerei auf dem Stein sind. Landschaft heute, da denken wir meist an die Bedrohung der Natur – Landschaft bei Christof Rehm bietet hingegen einen befreiten Blick und die Auseinandersetzung mit etwas Wertfreiem wie Raum und Farbe.

Im Radierverein zeigen die Künstler neueste Drucke und Vroni Schwegler eine Wandzeichnung. (Zu Person und Werk siehe auch: www.vroni-schwegler.de und www.christof-rehm.de) Die Künstler sind bei der Eröffnung anwesend.

120 Jahre Radierverein

120jahreMit Arbeiten von: 
Wolfgang Ellenrieder, Daniela Erni, Christoph Hessel, Helga Jahnke, Anton Kirchmair, Alexander Johannes Kraut,
Volker Lehnert, Gesa Puell, Christof Rehm, Michael Runschke, Eva Schöffel, Katharina Ulke

Vor 121 Jahren wurde der „Verein für Original-Radirung“, wie er sich nannte, von Münchner Künstlern gegründet. Vor 120 Jahren gaben die Künstler, die damals noch keine eigenen Ausstellungen ihrer Druckgraphik organisierten, eine erste Jahresmappe mit zwölf Radierungen heraus.
Noch heute wird der „Verein für Original-Radierung München e. V.“ allein vom Engagement der beteiligten Künstler – und natürlich der an dieser Kunst interessierten Sammler – getragen. Das Jubiläum von 120 Jahren künstlerischen Engagements für die vervielfältigenden Künste nehmen nun zwölf Mitglieder des Vereins aus ganz Deutschland und der Schweiz zum Anlass, erneut eine Mappe herauszugeben.
Die Arbeiten sind alle auf Blättern von 30 x 30 cm gedruckt, wobei einige Künstler den gesamten Umfang des Blattes genutzt haben. Sie sind in einer stabilen Leinenkassette versammelt, wie sie für Graphikeditionen typisch ist. Am 22. November eröffnet aber auch eine Ausstellung im Radierverein, in der Sie alle Blätter der aktuellen und der Mappe von 1892 ausgestellt erleben können.

Thomas Sebening, Bruno Wank, Handschlag

wank sebening

Druckgraphik - Erzguss

Der 1892 gegründete VfOR hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur allen Drucktechniken, sondern auch anderen Bereichen vervielfältigbarer Kunst geöffnet. Offsetdrucke, Fotos, Videoeditionen und Multiples gehören nunmehr ebenso zum Programm wie der traditionsreiche Tiefdruck oder Lithographie und Holzschnitt.

Thomas Sebening (*1957) wechselt zwischen dem Formexperiment und der Darstellung. Aus Strukturen werden Landschaften und geradezu dingliche Körper entpuppen sich als reine Gestik auf einer Fläche. Die schier unendliche experimentelle Vielfalt, wie sie die Radierung bietet, kommt dabei seinen Formideen entgegen, so dass Bilder entstehen, die in keiner anderen Technik entstehen könnten. Thomas Sebening leitet seit langem die Werkstatt für Radierung an der Akademie der bildenden Künste in München.

Bruno Wank (*1961) ist für seine Rauminstallationen und -verfremdungen bekannt. Daneben entstanden aber auch immer Werke, die ganz traditionelle Verfahren der Bildhauerei verwendeten, die ihm aus der Bronzegießerei seines Vaters vertraut waren. Natürlich sind es keine traditionellen Skulpturen, die im Zusammenhang der Installationen entstanden. Aber auch die Einzelobjekte gehen ebenso befremdlich wie sinnlich mit unterschiedlichen Metallen - Kupfer, Zinn und Bronze - um. Abguss und Guss verdinglichen dabei subtile Verschiebungen der Dingwelt und unserer Wahrnehmung. Seit langem leitet Bruno Wank die Werkstatt für Bronzeguss an der Akademie der bildenden Künste in München. Mit der Ausstellung "Handschlag" kommt es nun zu einer "Begegnung auf dem Feld der multiplen Kunst" im VfOR.

Friedemann von Stockhausen, Druckgraphik - Editionen - Bücher

stockhausenFriedemann von Stockhausen, o.T., Serigrafie, 2008, 36 x 28 cm

14.09.2012 - 05.10.2012

Der VfOR zeigt erstmals in München Arbeiten des in Berlin und Hamburg lebenden Malers und Zeichners Friedemann von Stockhausen (* 1945 Karlsruhe).

Von Stockhausen studierte erst an der Universität in Köln Kunstgeschichte, Ethnologie und Soziologie, bevor er in London an der Slade School mit dem Kunststudium anfing. Er hatte unter anderem Ausstellungen am University of Memphis Art Museum, der Hamburger Kunsthalle und zuletzt im Folkwang Museum, Essen. Seit 1994 lehrt er als Professor an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (http://www.fk1.hbk-bs.de/index.php?id=20).

Die Zeichnung ist für Friedemann von Stockhausen das zentrale Medium seiner Arbeit. Innovativ kombiniert er die unterschiedlichsten Techniken bis hin zur Collage. Freie Formgebung wird von biomorphen Elementen überlagert, woraus neue, befremdende Körperlichkeiten entstehen. Diese Schichtung und Durchdringung von Formen und Mustern verwendet Friedemann von Stockhausen auch in seinen Radierungen, die mit ihren linearen Strukturen den Betrachter in einen magischen Sog ziehen können. Die subtile Räumlichkeit dieser Arbeiten setzt der Künstler auch in Buchgestaltungen um, die in der Abfolge der Bilder noch einen zeitlichen Aspekt in seine Arbeit bringen. Eine faszinierende Bildwelt ist mit dieser Ausstellung erstmals in München zu erleben.

Zeitgleich zeigen wir: Präsentation der Jahresgaben und Sondereditionen 2012

Editionen und multiples, Studenten der AdBK München zeigen neue Arbeiten

editionen13.07.2012 - 20.07.2012

Sara Chaparro Olmo, Angela Geisenhofer, Raphael Grotthuss, Agnes Jänsch, Labor 45 - Katrin Petroschkat und Barbara Herold, Moritz Schweikl, Constanze Stumpf

2007 zeigte der Radierverein eine Ausstellung junger Künstler der Münchner Akademie und der Hochschule für bildende Künste Braunschweig – Junge Kollegen. 2008 stellte sich der Mittelbau der Akademie mit Druckgraphik vor. Im Juli 2011 stellten Studenten der Münchner Akademie aus und es beteiligten sich im Herbst Braunschweiger und Münchner Studenten an den jährlich präsentierten Sondereditionen des Vereins. In diesem Jahr ist die Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste München noch enger.

Die Ausstellung einiger besonders an vervielfältigender Kunst interessierter Studenten findet parallel zu Jahresausstellung der Akademie statt. Sara Chaparo präsentiert eine Reihe von Portraits, v.a. von Verwandten und Bekannten. In ihren kleinformatigen Kreide- und Tuschelithografien beschränkt sie sich auf das Einfarbige und konzentriert sich auf Licht- und Schattenwirkung der Bilder. Sie reduziert auf das Nötigste und schafft damit Einblicke in eine intim, privat anmutende Sphäre. Angela Geisenhofers Arbeit mit dem Titel "Beitrag zur zweidimensionalen Ermittlung physikalischer Kräfte" ist die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, welche sich ausschließlich auf die mit den menschlichen Sinnen subjektiv erfahrbare Wahrnehmung der irdischen Allgemeinheit beschränkt. Ihre Frottagen ergänzen sich ungerahmt, locker auf den Wänden verteilt zu einem Gesamtbild, in dem sich die einzelnen Arbeiten einordnen, ohne ihre Eigenwirkung einzubüßen. Raphael Grotthuss gautscht jeweils zwei frisch geschöpfte heliogenblaue Papiere aus Leinenfasern übereinander. Eine Plastikfolie zwischen den Papieren legt den Bereich fest, der sich beim Pressen nicht verbindet, Silikonventile sorgen für den Luftaustausch. Mit Luft gefüllt entstehen Papierkissen. Als Gruppe an der Wand montiert wechselt der Eindruck zwischen einer ornamentalen Musterreihung, in der die Wandflächen in den Zwischenräumen eine gewichtige Rolle spielen und der Wahrnehmung der Papierkissen als skulpturale Objekte als solche. Agnes Jänsch zeigt eine kinetische Installation, die Alltagsgegenstände in einen neuen Kontext setzt und ihnen durch Bewegung den Eindruck von Belebtheit verleiht. Die filigrane Intervention ruft Assoziationen zu unterschiedlichen Lebewesen hervor und führt dabei beim Betrachter zu einem subtil beunruhigenden Gefühl. Labor 45, Barbara Herold und Katrin Petroschkat, schufen die Objekt-Serie «Dresscodes» bestehend aus 5 Papier-Sakkos von jeweils 2,40 m Höhe. Der Anzug, als Alltags-Uniform auf monumentale Größe aufgeblasen, wird an die Grenze des Werkstoffes Papier gebracht. Im Schnitt identisch und in Serie gefertigt unterscheiden sie sich lediglich durch das aufgedruckte Muster, in dem das Bild, das der Träger von sich vermitteln möchte, vertextlicht wird. Der offenkundige Wille zur Darstellung lässt in Zusammenhang mit der Größe und der Zartheit des Werkstoffes Papier Assoziationen von Macht, Schwäche, Schein und Sein zu. In der Arbeit "Womit nehmen wir uns das Recht, jemanden zu verurteilen? greift Johanna Selge das runde "o" aus der Skulpturenreihe "logos" heraus. Sie wurde aus einem Metallskelett und Holz gebaut, auf deren großer Deckplatte, die zugleich als Sitzfläche dient, ein Siebdruck diese Frage bildlich stellt."

Moritz Schweikls Arbeiten sind von Kupferplatten gedruckt, wobei diese nicht klassisch im rechten Winkel geschnitten sind, sondern spezielle Formen aufweisen. Die Motive sind mit Zuckertusche ausgesprengt, in mehreren Stufen geätzt und auf Büttenkarton gedruckt. Inhaltlich beziehen sich die Arbeiten auf Steine, wobei sie nicht imitiert werden, sondern wesentliche Aspekte wie Form, Masse und Gewicht erfassen. In der Arbeit "Von Form zu Form" vollzieht Constanze Stumpf in einer Abfolge von Gipsabgüssen die Metamorphose einer Form in sieben Schritten nach. Diese Objekte gebären sich immer wieder aus sich selbst heraus und in ihren unterschiedlichen Stadien bilden sie eine barock-ornamental anmutende Reihung über die Wandfläche, die sich endlos weiter entwickeln könnte.

 

Peter Zeiler „Expressionen“ – neue Kaltnadelradierungen

Zeiler

20.04.2012 - 11.05.2012

Peter Zeiler (* 1930 Heiligkreuz, Kempten, lebt in Irsee) ist seit langem Mitglied im Radierverein. Seit den 1980er Jahren entstehen seine expressiven „Gefühlszeichnungen“, Psychogramme, die als Kaltnadelradierungen die malerische Wirkung dieser Technik mit ihren intensiven Schwarz- und zarten Grautönen virtuos nutzen, ohne dass die Technik zum Selbstzweck würde. Vielmehr vermag Zeiler es, den existentiellen Ausdruck der Bilder mit der Kaltnadelradierung eindrucksvoll zu steigern. Peter M. Bode schrieb einmal: „Peter Zeiler radiert die Angst: Seine bizarren, zerrissenen, im Krampf erstarrten Menschwesen wehren den Schrecken, der auf sie eindringt, mit hilflos-entsetzter Gebärde ab. … Dieser Künstler ist ein begnadeter Zeichner, der mit der Radiernadel die abgrundtiefe Angst wirklich unmittelbar anschaulich machen kann.“ Dem Künstler geht es um die grundlegende existentielle Ängste, aber auch ganz aktuelle, wie seine neuen Zeichnungen zu einem eben erschienen Buch mit einer kurzen Geschichte des Geldes zeigen, in dem die Bilder den Text kongenial „ergänzen“. Wer hätte in unseren Tagen nicht Angst um den Groschen in der Tasche und den großen Batzen auf der Bank? Im

Radierverein zeigt der Künstler neueste Drucke und sein eben erschienenes Buch mit Zeichnungen

VON KAISERBLAU BIS LUXUSSCHWARZ

Das Sächsische Druckgrafiksymposion in Hohenossig,Reinhard und Jeanette Rössler zeigen ausgewählte Exponate zeitgenössischer Druckgrafik

Begrüßung: Thomas Sebening, Tom Kristen

Einführendes Gespräch: Christine Hölzig / Reinhard Rössler / Thomas Sebening

Arbeiten u.a. von Homayon Aatifi / Bielefeld, Sylvie Abélanet / Paris, Christian Brandl / Leipzig, Wolfgang Buchta / Wien, Marion Bösen / Bremen, Norbert Eberle / München, Pablo Flaiszman / Paris, Felix M. Furtwängler / Berlin, Carin Grudda / Italien, Torben Bo Halbirk / Paris, Ute Haring / London, Bogdan Hoffmann / Bremen, Orit Hofshi / Israel, Oliver Kossack / Leipzig, Rosa Loy / Leipzig, Melissa Mayer-Galbraith / München, Reinhard Minkewitz / Leipzig, Akos Novaky / Leipzig, Gudrun Petersdorff / Leipzig, Robert Schmiedel / Leipzig, Guntars Sietins / Riga, Michael Triegel / Leipzig, Chris van der Veken / Antwerpen

Anton Würth. Kupferstiche – drei Mappenwerke und Einzelblätter

wuerth anton 19 01 2012-1Dauer: 20.01 – 10.02.2012

Eröffnung: 19.01.2012, 19–21 Uhr
es spricht: Dr. Andreas Strobl

Anton Würth (geb. 1957 in Oberstdorf, lebt in Offenbach a. M.) ist Kupferstecher. Kupferstich im Jahr 2012? Ja, gerade eine der ältesten künstlerischen Drucktechniken ist zum zentralen Verfahren seiner künstlerischen Arbeit geworden. Kupferstich, das war die meiste Zeit eine dienende Technik. Gemälde wurden so reproduziert und Ornamente vervielfältigt, damit sie den Kunsthandwerkern zur Verfügung standen. Kupferstich bietet aber auch eine ganz einmalige Möglichkeit der an- und abschwellenden schwarzen Linieführung, der in feinsten Spitzen auslaufenden Striche und der zarten Grautöne in den dichten Lagen der Schraffuren. Anton Würth beschäftigt sich seit langem mit dem Ornament. Das klingt ebenso antiquiert wie die Technik des Kupferstichs. Aber das Verhältnis von Figur und Grund – die Basis allen Ornaments – ist ja auch eine der Grundlagen der gegenstandslosen Kunst der Moderne. Ornament, wie es Anton Würth, beschäftigt, ist kein Dekor und keine nüchtern-spröde Art, Formen zu deklinieren. In einer Art „bewusstlosem Denken“ – wie er selbst es charakterisiert – entstehen bei ihm Formen, die an uraltes Repertoire ebenso erinnern wie an alltägliche Dinge aus unserer Zeit. Ornament als „als präzis bestimmte Unbestimmtheit“ definiert, kann in die analytische Philosophie führen. Bei Würth ist es zugleich ein Spiel voller Ironie – angewandte Philosophie sozusagen ‑, ein Spiel mit „Röslein und Zierrat“ wie es der Künstler einmal genannt hat. Im Radierverein zeigt der Künstler drei Mappenwerke jüngster Zeit, in denen die Auseinandersetzung mit dem Ornament in Serien zusammengefasst wird.

(Zu Person und Werk siehe auch: www.antonwuerth.de)

Die Ausstellung wird vom Klingspor Museum Offenbach unterstützt.

Der Künstler ist ab 17. Januar in München und bei der Eröffnung anwesend.

Parallel werden Skulpturen von Veronika Veit ausgestellt.